Sehr geehrte Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard
Sehr geehrte Damen und Herren
 
 
Wir bedanken uns für die Einladung zu o. g. Vernehmlassung und nehmen dazu wie folgt Stellung:
 
1. Neuorganisation des Vormundschaftswesens im Kanton Zug
Die Anforderungen des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes erfordert fundiertes Fachwissen. Mit der Schaffung einer interdisziplinären Fachbehörde, welche die bisherige Praxis ablöst, dass politisch gewählte Gemeinde- und BürgergemeindevertreterInnen die Entscheidungsgewalt hatte, ist sehr zu begrüssen.
Die Übertragung des Präsidiums muss aus unserer Sicht nicht zwingend an eine juristisch ausgebildete Person erfolgen. U. E. kann diese Aufgabe jedem Mitglied der Fachbehörde übertragen werden.
 
2. Ausgestaltung der interdisziplinären Fachbehörde
Die zentrale Fachbehörde besteht aus mindestens fünf Personen. Aufgezählt werden die Professionen Sozialarbeit/Pädagogik, Psychologie, Medizin/Psychiatrie und Treuhand/Vermögensverwaltung. Wir schlagen ergänzend vor, die Fachbehörde um einen Ethiker zu erweitern. Die zu treffenden Massnahmen greifen grundlegend in die Persönlichkeitsrechte ein, was eine umfassende Beurteilung basierend auf ethischen Prinzipien erfordert.
 
3. Übersicht über die bundesrechtlichen Änderungen (zu S. 6, Abschnitt 2)

Ein Grundprinzip der Mediation ist die Freiwilligkeit. Diese anzuordnen macht keinen Sinn.
 
4. Trägerschaft

Der Bericht operiert u. E. mit knappen Zahlen. Angesichts des raschen Bevölkerungswachstums im Kanton Zug gehen wir davon aus, dass die angegebenen Stellenprozente schnell ausgeschöpft werden seien.
 
5. Schaffung eines Mandatszentrums
Die Unterstellung des professionellen Mandatszentrums unter die gleiche Trägerorganisation wie die Fachbehörde ist aus organisationstechnischen Gründen nachvollziehbar. Wir weisen aber darauf hin, dass diese organisatorisch herbeigeführte Nähe unabhängige Entscheidungen gefährden kann.
 
6. Bestand und Anstellung
Wir stimmen zu, dass im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes der Schutz der Grundrechte eine zentrale Rolle spielt. Die Betonung, dass aus diesem Grund den Verfahrensrechten besondere Beachtung zu schenken sei, zeigt, dass dem juristischen Aspekt einmal mehr ein zu grosses Gewicht beigemessen wird. Menschliche Probleme lassen sich nicht mit Gesetzestexten und standardisierten Verfahren lösen. Selbstverständlich gilt es, das Verfahrensrecht einzuhalten. Die Betonung der „besonderen Beachtung“ gilt es aber beim Kindes- und Erwachsenenschutzrecht auf den Beziehungsaspekt zwischen Mandatsträger und betroffenen Personen zu legen.
 
7. Kosten Trägerschaft und Organisation Fachbehörde

Die ausgewiesenen Zahlen sind teilweise nicht nachvollziehbar.
Beispiel: Wie kommt es, dass für die Funktion des Psychologen/Mediziners die Personalkosten in etwa gleich hoch sind wie die Personalkosten für die Sachbearbeitung/Administration/Kanzlei?
 
Schlussbemerkung
Die vorgeschlagenen Neuerungen und Anpassungen, welche  im Erwachsenen-schutz, Personenrecht und Kindesrecht aufgeführt sind, sind grundsätzlich sehr zu begrüssen, da sie zeitgemäss erscheinen und den gewachsenen Anforderungen im Kindes- und Erwachsenenschutz Rechnung tragen.
 
 
Für die Alternativen – die Grünen Zug.
Esther Haas / Stefan Rickli