Sehr geehrter Herr Ratspräsident,
werte Regierung,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen, 
 
Die Alternativ Grüne Fraktion dankt den Interpellanten für die umfassenden Fragen zu den Auswirkungen der 1:12 Initiative auf den Kanton Zug und der Regierung für die spannenden Ausführungen. Die in der Antwort erwähnten diffusen Ängste, betreffend negativer Auswirkungen einer gerechten Lohnverteilung, teilen wir nicht. Die Diskrepanz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn in einer Unternehmung, hat erst in den letzten 15 Jahren astronomische Ausmasse erlangt. 1998 waren wir bei einem Verhältnis von 1:13 und 1984 sogar noch bei 1:6. Wieso der Regierungsrat bei der jetzigen astronomischen Lohnschere von „erfolgreicher Schweizer Tradition“ spricht, verstehen wir deshalb nicht. Diese Aussage zeigt höchstens, wie stark sich der ausbeuterische Neoliberalismus in der Politik innert kürzester Zeit ausbreiten konnte.
 
Wenn wir nun die vom Regierungsrat als möglich erachteten Ausfälle genauer betrachten, springt einem die geringe Ausfallsumme sofort ins Auge. Ebenso die vielen Unsicherheiten über die zusätzlichen Einnahmen von Gewinnsteuer und Steuereinnahmen durch höhere Renditen. Die Frage nach dem "was wäre, wenn" nimmt schon fast wahrsagerische Züge an. Die Regierung geht von 19 – 24 Millionen Steuerausfällen aus – je nach Szenario. Dieser Betrag wird weiter um eine von der Regierung nicht bezifferte Summe aus Steuererträgen durch Dividendenausschüttungen reduziert.
 
Der Bundesrat hat in seiner Beantwortung einer 1:12-Interpellation diesen September auf konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen verzichtet. Die NZZ titelte damals „Der Bundesrat wagt sich nicht aufs Glatteis“. Nun gut, wir haben eine Zuger Antwort und die lässt alle Schreckenszenarien komplett verblassen. Vergleichen wir die Ausfälle zum Beispiel mit dem Loch, dass die Familieninitiative in die Staatskassen reissen würde, geht es hier um viel weniger. A propos Löcher, gemeinsam werden wir ja vielleicht schon bald über eine Milliarde hier hinten im Berg verbuddeln.
 
Das Erfolgsmodell Schweiz beruht nicht auf der kurzfristigen Bereicherung einiger weniger, sondern auf der gemeinsamen Erwirtschaftung und der gerechten Verteilung des Wohlstandes. Es braucht die Konsumkraft der breiten Masse um unser wirtschaftliches Rückgrat, die viel zitierten KMU’s, zu stärken. Das heute 1% der Bevölkerung 50% des ganzen Wohlstandes besitzt, ist eine Fehlentwicklung die es zu korrigieren gilt. Da nützt auch eine einseitige Studie der HSG nichts. Die aktuelle Diskussion über die Verteilung des Wohlstandes, über Lohnexzesse, Mindestlöhne, Working Poor oder über hohe Lebenskosten für Familien und den Mittelstand wird in den nächsten Jahren noch stärker werden und das zwingt uns als Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung zu handeln, um die gesamte Schweiz wieder zurück auf einen erfolgreichen und gerechten Kurz zu bringen.  
 
Danke
 
 
Andreas Lustenberger,
Alternative – die Grünen