Politik hat viel zu tun mit permanenter Weiterbildung. Aber weil ich erst gestern begonnen habe, mich mit der Sprache der Schweizer Jenischen zu befassen, kann ich heute nur einen Satz auf Jenisch und im Namen der Jenischen sagen: Dieser Satz lautet:
 
"Es hur quant für dä pläri und dankäd am zuger palar."
 
Immerhin habe ich in dieser kurzen Lernzeit erfahren, dass diese Sprache eine wichtige Gemeinsamkeit mit unserem Schwiizerdüütsch hat: Man schreibt sie wie man sie spricht. Die Übersetzung des Satzes möchte ich noch nachliefern:
"Wir, und damit sind die Schweizer Jenischen gemeint, wir freuen uns auf den geplanten Platz und danken dafür den Zuger Behörden"
Die Alternative Fraktion unterstützt klar den Antrag der Regierung und den entsprechenden Kredit für den Durchgangsplatz, aus folgenden vier Gründen:
 

  1. Die Jenischen bzw. die Schweizer Fahrenden sind Teil unseres Schweizer Volkes. Die öffentliche Wahrnehmung entspricht zwar häufig nicht dieser Realität, ganz besonders für den fahrenden Teil der Jenischen, immerhin einige Tausenden von insgesamt über 30’000 Personen. Aber es sind Schweizer Bürger und Bürgerinnen, die ihre eigene Kultur, Geschichte, Lebensweise und Sprache haben.
  2. In der Kommissionsdiskussion wurde darüber gerätselt und auch in der Bevölkerung wurde mir die Frage gestellt: Sind die Fahrenden Schweizer Bürger, welche die gleichen Pflichten haben wie wir Nicht-Fahrende? Sie zahlen Steuern wir wie alle auch und zwar an ihrem offiziellen Wohnort. Das ist häufig ihre Bürgergemeinde, kann aber auch sonst eine Schweizer Gemeinde sein. Sie leisten ihren Militärdienst wie alle anderen Schweizer, sie haben auch Stimm- und Wahlrecht an ihrem offiziellen Wohnort.
    Aber für ihren Lebensunterhalt sind sie dringend auf Plätze angewiesen, wo sie tageweise stationieren dürfen, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können. Zu wenig Durchgangsplätze, das habe ich von ihrer Genossenschaft in Zürich erfahren, heisst auch zuwenig Verdienst und damit vermehrt Sozialfälle…..
  3. Die Durchgangsplätze sind eine Mangelware in der ganzen Schweiz. Laut der erwähnten Genossenschaft wird heute nur ein Bruchstück des Bedarfes gedeckt, 70 % davon bleibt ungedeckt. Das anerkennt auch der Bericht der Regierung, welcher gestützt auf Abklärungen auf Bundesebene von rund 30 fehlenden Standplätze und rund 40 fehlenden Durchgangsplätze in der ganzen Schweiz spricht.
  4. Die Suche nach einer Lösung dauert nun schon drei Jahrzehnte, sie begann 1988. Es ist also höchste Zeit, den dringend benötigten Platz zu realisieren.

 
Und zum Schluss: Auch die Alternative Fraktion hat sich gewundert über die Höhe des nötigen Kredites, hat sich aber überzeugen lassen, dass er gerechtfertig ist.