Ich bin wie Andreas Hausheer nicht Pädagoge, aber Vater eines Primarschulkindes, und vertrete somit schlicht Volkes Stimme. In einem Punkt bin ich mit der SVP einverstanden. Sie sagt, sie sei gegen unnötige Gesetze und Schulreformen. Diese beiden Notenreformen sind unnötig – und ich bin dagegen.
Gerade vorgestern war ich wieder mal auf Schulbesuch. Ich war beeindruckt, wie motiviert und eigenständig die Kinder arbeiteten. Sie unterstützten sich gegenseitig – die Kinder wissen genau, wer in welchem Fach Stärken hat und holen sich dort auch Rat. Und sie holten sich Unterstützung von der Lehrperson und diese unterstützte die Kinder in Einzelbetreuung und Klassenlektionen. Auch ein Test wurde mit Eifer geschrieben. Eine richtig gute Schule.

Ich als Elternteil weiss genau, wo meine Tochter steht. Denn in den Eltern gesprächen wurde ich über die Entwicklung der Fähigkeit, sich Wissen anzueignen, das Lernen selber zu organisieren, im Team zu arbeiten vollumfänglich orientiert. Kompetenzen, die meine Tochter für Alltag und Berufsleben später benötigt. Auch weiss ich immer, wie sich ihre Fachkompetenzen in Deutsch, Mathe, Englisch, M+U etc. entwickeln.

Und das alles ohne Noten. Denn meine Tochter ist erst in der dritten Klasse.
Ich fragw mich schon, wer denn hier Noten will und wem sie nützen sollen. In meinem Umfeld zumindest habe ich noch keine Eltern gehört, die Noten wünschen. Auch die Klassengspändli meiner Tochter haben nie Noten gewünscht, und ich bin doch jede Woche in der Schule am Mittagstisch.

Ausgerechnet die Partei, welche gegen die Verschulung des Kindergartens, gegen Hochdeutsch in  Kindergärten,  gegen nationale Bildungsstandards  zwecks  Vergleichbarkeit Sturm läuft, will dann aber ab der 1. Klasse den Kindern zeigen wo der Bartli den Most holt und  Noten vergeben. Denn Kinder brauchen ja Druck.
Ist das so? Brauchen Kinder nicht gute Vorbilder, Unterstützung, Grenzen, Freiraum, Befähigung zur Selbständigkeit und vor allem Motivation? Und wie geht es Ihnen selber? Wie machen Sie gute Politik? Unter Druck oder mit positiver Motivation?
Was glauben sie durch Noten zu erreichen? Sie dienen weder Kindern, noch helfen sie Eltern, deren Leistung besser einzuschätzen. Wer hier sagt, er wisse nach einem Gespräch nicht, wo sein Kind stehe, der weiss mit einer Note keinen Deut mehr. Leistung und Entwicklung der Kinder werden mit Semesterdurchschnittsnoten nicht korrekt wiedergegeben. Die Vorredner der CVP haben das klar aufgezeigt. Übrigens, Irène Castell-Bachmann, wissen Kinder sehr wohl mit dem Feedback der Beurteilung umzugehen, und sie können sich auch gut selbst einschätzen. Sie sind nämlich diesbezüglich schon sehr weit entwickelt.

Andreas Hausheer sagte, es brauche Noten plus Gespräch. Aber da sehe ich die Gefahr, dass man sich auf Noten konzentriert und das Gespräch ignoriert und somit eben  genau nicht weiss, wo sein Kind steht. Das Feedback der Lehrperson basiert auf dem Vergleich des Kindes mit seinen eigenen Möglichkeiten. Es ist für mich völlig uninteressant, ob es besser oder schlechter ist als seine Klassenkameraden. Es soll seine Möglichkeiten optimal ausschöpfen. Was nützt es, die Beste einer schlechten Klasse zu sein, sich darauf auszuruhen und das Potenzial nicht auszuschöpfen? Noten sind oft demotivierend, ganz sicher für die Schlechteren. Aber auch gute Schülerinnen und Schüler haben keine Freude, als Streber dazustehen. Arthur Walker und Monika Barmet haben das gut ausgeführt.

Bemerkenswert finde ich, dass Finnland, welches erst ab der 7. Klasse Noten vergibt, in allen Pisa-Studien vorne liegt. Statt Noten einzuführen, fordere ich den Rat auf, genügend Mittel in die Schulen zu investieren, um Lehrpersonen und Kinder gleichermassen zu stärken. Eigentlich gehörten stets zwei Lehrpersonen in eine Klasse  – so können Kinder unabhängig vom Schulsystem gefördert werden und auch eine integrative Schule ist so möglich.

Da ist anzusetzen und eben nicht mit unnötigen neuen Gesetzen und Initiativen.
 
 
Stefan Gisler,
Alternative – die Grünen Zug