Wir sind uns die meisten einig, gegen eine Harmonisierung der Schullandschaft in unserem Land  hat niemand etwas. All die vielen wichtigen Eckpunkte von HarmoS, die bereits aufgezählt wurden, werden grossmehrheitlich begrüsst. Auch die Alternative Fraktion sieht die vielen positiven Werte, die HarmoS mit sich bringt. Wir sagen auch zum umstrittenen Punkt der obligatorischen  frühen Einschulung ja, weil dies eine Chancengleichheit für alle Kinder mit sich bringt. Nicht alle Kinder besuchen eine Spielgruppe, sie kostet etwas. Nicht alle Kinder können ein Kindertanzen, Kinderrhythmik, etc besuchen, weil diese Angebote nicht gratis sind. Nicht in allen Familien wird gebastelt, mit den Kindern in den Wald gegangen weil dies die Eltern vielleicht selber nie erfahren haben. Darum begrüssen wir, die Alternative Fraktion, die obligatorische Einschulung.
Ich erlebe jeden Dienstagmorgen in meiner Arbeit drei- bis fünfjährige Kinder, ich möchte Sie daher etwas in die Welt dieser Kinder hineinblicken lassen:

  • Bereits dreijährige Kinder  wollen mit andern Kindern zusammen sein und spielen, sie ahmen vor allem die Grösseren nach und lernen von ihnen.
  • Viele vierjährige Kinder würden am liebsten jeden Tag mit andern Kindern zusammen sein. Sie sind aufnahmefähig, sie sind wissensbegierig, sie wollen spielen, werken, Geschichten hören – die Welt liegt ihnen zu Füssen, sie wollen sie entdecken.
  • Fremdsprachige Kinder verstehen mich auf einmal, – und sie beginnen Versli  mitzusprechen, Lieder mitzusingen – sie beginnen, sich mit wenigen Worten zu verständigen
  • Ich erlebe auch Kinder mit verschiedenen Defiziten. Manchmal, nicht immer,  ist  es wichtig, dass diese Kinder an den heilpädagogischen oder an einen anderen Dienst verwiesen werden. Die Fortschritte, die diese Kinder dann machen, mitzuerleben ist unbeschreiblich schön. Was ist mit all den Kindern, die nicht eine solche Spielgruppe besuchen können, weil sie zu teuer ist? Mit einem frühen Eintritt in den Kindergarten kann vieles noch aufgeholt werden.
  • Viele Kinder besuchen nicht nur eine Spielgruppe, sie gehen noch ins Kindermusizieren, ins Kinderturnen, vielleicht bereits in einen Sprachkurs oder besuchen mehrere Spielgruppen. Nicht für alle Kinder ist eine solche abwechslungsreiche Woche gut,  da wäre doch ein früherer Eintritt in den Kindergarten, in eine konstante Gruppe, viel besser.
  • Ich erlebe aber auch immer wieder Kinder, die sind mit vier Jahren noch nicht bereit, ein paar Stunden von zu hause weg zu bleiben. Manchmal schafft es ein solches Kind nach ein paar Versuchen, manchmal müssen wir die Übung abbrechen und die Eltern, die dann meist verzweifelt sind, vertrösten, dass in einem halben Jahr oder einem Jahr das Kind ja wieder nicht nur grösser geworden ist, sondern auch reifer. Für diese Kinder und vor allem auch für die Eltern kann die frühe obligatorische Einschulung zu einem Problem werden.

Was möchte ich mit dem Aufzeigen der Realität aussagen. Für viele Kinder ist ein früher Eintritt in den Kindergarten richtig, für andere wieder nicht. Sehr viele Eltern begrüssen ein Angebot einer früheren Einschulung, andere sind verunsichert und hätte gern das Kind noch länger nur in ihrer Obhut.  Das frühe Obligatorium ist für mich der Schönheitsfehler in der ganzen Vorlage. Angebot ja – aber wenigstens das erste Jahr nicht obligatorisch.
Jedoch ist es für mich kein Grund, HarmoS abzulehnen. Die obligatorische Einschulung ist jetzt halt nun ein Eckwert von HarmoS. Es kommt darauf an, was daraus gemacht wird.  Wenn wir ja dazu sagen, verpflichten wir alle Verantwortlichen der Bildungslandschaft, dass sie dem Alter der Kinder, hundertprozentig gerecht werden. Eltern, deren Kind noch nicht soweit ist, dürfen sich auf keinen Fall als Versager fühlen. Es heisst aber auch,  dass die Klassen nicht zu gross sein dürfen, dass genügend Lehrpersonen vorhanden sind – und – dass bei der Bildung nicht gespart werden darf.
Die Kinder müssen vieles noch nicht können, wenn sie in den Kindergarten eintreten. Das ist meine grosse Bitte an den Bildungsdirektor. Wenn er nun von Gemeinde zu Gemeinde geht, soll er diesen Punkt immer wieder erwähnen, dies ist wichtig – für die Eltern. Von der frühen Einschulung  verspreche ich mir sogar eine Beruhigung für den Alltag einiger Kinder. Sie werden nicht mehr verschiedene Spielgruppen besuchen, nicht den Morgen noch in einem Indoorspielplatz verbringen einen Sprachkurs absolvieren usw. sondern können während fünf Tage in der Woche in der gleichen Gruppe eine Geborgenheit erfahren und dort spielend lernen, wozu sie bereit sind.
Das lässt HarmoS zu – wir fördern und begleiten die Kinder in den frühen Jahren ihres Lebens.