Lohngleichheit ist weder eine gute Tat noch ein Geschenk an wirtschaftlich Benachteiligte. Lohngleichheit ist ein Recht. Und Lohngleichheit ist vor allem eine Pflicht des Arbeitgebers, die von der Verfassung und dem Bundesgesetz für Gleichstellung klar vorgegeben ist! Es ist für den öffentlichen Sektor unsere Pflicht zu überwachen, dass diese Pflicht tatsächlich eingehalten wird. Bevor wir dies tun können, müssen wir aber vorerst einmal wissen, wie die Situation im Kanton Zug ist. Daher herzlichen Dank an KR Christina Huber diese Interpellation zu schreiben.
 
Jedoch mag die Antwort des RR auf die Interpellation leider nicht ganz zu befriedigen.
Warum nicht? Wir wissen zwar nun, dass der Kanton Zug seit 2007 mittels „Persuisse“ die Löhne mit gewaltigem Aufwand mit anderen Kantonen und Städten vergleicht. Offenbar hat man es aber verpasst, Persuisse so auszugestalten, dass damit indirekte Lohndiskriminierungen aufgedeckt werden können. Der Regierungsrat sagt selbst, dass Persuisse nur allfällige direkte Diskriminierungen aufzeigen kann. Und ausserdem frage ich mich nun ernsthaft: Wo sind die Ergebnisse dieses Vergleichs? Warum werden sie nicht offen gelegt, wenn das System bereits seit 2007 in Betrieb ist?
 
Der RR schreibt, es bestünden keine auffälligen Ungleichheiten innerhalb derselben Funktions- und Alterskategorie mehr. Mit anderen Worten: Im Kanton Zug wird also vermutlich niemanden mehr bewusst und absichtlich direkt diskriminiert. 
Es geht nicht nur um die Lohndiskriminierung innerhalb der Funktionskategorie. Denn was nützt es, wenn jemand innerhalb der Funktionsstufe zwar den gleichen Lohn erhält, je-doch von Anfang an in einer zu tiefen Funktionsstufe eingereiht ist, weil er oder sie zum Beispiel einen handwerklichen oder sozialen Beruf ausübt?
 
Bei der Überprüfung der indirekten Lohngleichheit geht es darum festzustellen, ob gewisse Berufskategorien oder Einzelpersonen sich grundsätzlich in falschen Funktionskategorie befinden. Das ist gemeint, wenn das Gesetz verlangt, dass „für gleichwertige Arbeit derselbe Lohn“ bezahlt wird. Und ich bin mir bewusst, das ist kein leichtes Unterfangen. Meist liegen nämlich die Gründe für geschlechtsspezifische Diskriminierung in der unterschiedlichen Arbeits- und Leistungsbewertung von Frauen und Männer.  Nach wie vor sind typische Frauenberufe schlechter eingestuft. Und diese Ungleichheiten geschehen in der Regel unbewusst und unabsichtlich. Wir alle unterliegen hier im Alltag meist unbewussten Stereotypen. Man muss danach suchen und sie erst mal aufdecken! Der Regierungsrat sagt selbst, dass die Gleichwertigkeit von Arbeit eigentlich nur durch eine strukturelle Arbeitsplatzbewertung festgestellt werden kann.
 
Sie erinnern sich, tatsächlich wurden bei der strukturelle Besoldungsrevision in den Jahren 2000 bis 2004 rund 70 Schlüsselstellen der Stadt- und Kantonsverwaltung Zug untersucht. Das Ergebnis war ernüchternd, ich zitiere aus dem Bericht (Vorlage 666.5):
„Wie die Ergebnisse der Schlüsselstellenbewertung zeigen, liegen heute zum Teil massgebliche Lohnungleichheiten vor. Tendenziell sind pädagogische und soziale Funktionen und vereinzelt Funktionen des handwerklichen Bereichs zu tief eingestuft. …Die durchgeführte Schlüsselstellenbewertung hat zudem zu einer breiten Sensibilisierung der Mitarbeitenden rund um das Thema Lohn- und Chancengleichheit beigetragen. Die Möglichkeit, dass bei einem allfälligen Abbruch der Arbeitsplatzbewertung Lohngleichheitsklagen eingereicht werden, besteht.“ Zitat Ende.
 
Wie Sie auch wissen, war die Behebung dieser strukturellen Lohnungleichheit nicht gratis zu haben, darum machte man annodazumal nichts.
 
Heute stellt der RR aber fest, dass quasi alles in Ordnung sei. Da bleibt die Frage, was pas-sierte in der Zwischenzeit? Wurde diese strukturelle Lohnungleichheit, die vor Jahren festgestellt wurde, in einer Nacht- und Nebelaktion sang –und klanglos behoben? Wem dem so ist, kann der RR uns diese Veränderungen sicherlich bekannt geben.
 Und: was haben diese Korrekturen gekostet?!
 
In seiner Antwort vom 4. November 2008 schreibt der RR wörtlich: es „konnten im System grundsätzlich keine Lohnungleichheiten zwischen Frau und Mann festgestellt werden“. Wenn wir aber in die Vorlage 666.6 hineinschauen, steht dort: dass Frau und Mann „bei gleichen Voraussetzungen“ grundsätzlich gleich besoldet werden. Das kann für mich nur heissen, dass praktisch keine direkte Diskriminierungen gefunden wurden. Über die indirekte Diskriminierung ist damit noch nichts gesagt.
 
Haben Sie gewusst, dass der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern zwischen 2002 und 2006 konstant geblieben ist. Im Jahr 2006 verdienten die Zürcher Frauen im Schnitt 5’200.- Franken (Medianlohn), die Zürcher Männer kamen auf 6’800.- Franken. Schweizweit verdienen Frauen noch immer 19% weniger als Männer. Als Visualisierung: Bei vergleichbarer Arbeit, Hintergrund, Ausbildung und Erfahrung arbeitet eine Frau ein Jahr lang und darüber hinaus weiter bis zum 10. März, um das zu verdienen, was einem Mann bis zum 31. Dezember ausbezahlt wurde. Aus diesem Grund wurde am 10. März den Equal Pay Day durch.
 
Es kann nur etwa die Hälfte davon mit unterschiedlicher Ausbildung etc. begründet wer-den. Der Rest ist (meist indirekte) Diskriminierung. Wenn der Kanton Zug hier tatsächlich die Ausnahme bildet und als wohl einziger öffentlicher Arbeitgeber keine Lohndiskriminierung betreibt, dann ist das eine Sensation. Vor allem müsste man dies sofort mit Zahlen belegen und hier Transparenz schaffen!
 
Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Frage 3.
LOGIB ist das Lohngleichheitsinstrument des Bundes. Der Bund und die Kantone sind ver-pflichtet, bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen sicher zu stellen, dass die beauf-tragte Firma die Lohngleichheit einhält. LOGIB wurde unter anderem deshalb entwickelt, damit man dafür ein einfaches Messinstrument zur Hand hat. Der Kanton verlangt also bei öffentlichen Vergaben von jedem Unternehmen, LOGIB anzuwenden, will aber dazu selbst nicht in der Lage sein?
 
Das Ziel der Interpellation war Informationsgrundlagen zu beschaffen. Dieses Ziel wurde leider nicht erreicht. Mit anderen Worten: wir alle hier im Saal müssen uns weiterhin auf vage Zusicherungen verlassen, dass die Lohngleichheit in etwa eingehalten sei. Aber es fehlt uns jegliche Beurteilungsgrundlage. Ich erinnere nochmals auf den Zwischenbericht der strukturellen Arbeitsplatzbewertung von 2004, der deutlich sagt, dass die Aussichten von allfälligen Lohngleichheitsklagen nicht von der Hand zu weisen sind.