ich möchte mich im Folgenden nur zu einem der vielen Aspekte der ganzen Geschichte rund um das ASMV äussern und zwar zum Medienbericht der Kommission, der bei der Fa. Nestro in Auftrag gegeben wurde. Ich finde diese Medienmitteilung weder sachlich noch professionell. Und die Tatsache, dass auf diesem Bericht mein Name stand, ohne  dass ich nur ein Wort dieser Mitteilung im Voraus gesehen hätte, steht im Widerspruch zur sorgfältigen Arbeit der Kommission, bei welcher wir wirklich manchmal um die korrekten Worte gerungen haben, damit alle dahinter stehen konnten. 
 
Vorerst möchte ich noch präzisieren, dass ich zu den eigentlichen Ergebnissen der Kommissions¬arbeit nach wie vor stehe, d.h. zu den Inhalten des Schlussberichtes wie auch zur ganzen Phase der Erarbeitung des Berichtes. Ich attestiere der Kommissionsleitung Sorgfalt, Umsicht und Ausgewogenheit bei der Führung der Kommission, im Einbezug der Kommissionsmitglieder aller politischen Schattie-rungen sowie bei der Befragung der involvierten Personen.
 
Aber der Medienbericht ist in meinen Augen kein genügendes Abbild des Schlussberichtes. Ich möchte meine Einschätzung begründen. Ich beschränke mich auf drei Fakten:
 
 
Fakt 1
 
Er betrifft die Reihenfolge bei der Nennung der Verantwortlichen für die ASMV-Probleme.
 
Für mich ist klar: Die Reihenfolge ist bedeutungsvoll – zuerst kommst das Wichtigste, dann das Zweitwichtigste und so weiter.
 
Der Schlussbericht der JPK erwähnt in seiner Gesamtbilanz zuerst H. P. Barth, dies ist auf Seite 57, und seine Rolle wird dann auch kommentiert. An zweiter Stelle, auf Seite 59, wird dann alt Regierungsrat Uster erwähnt und seine Rolle kommentiert. 
 
Und was macht der Medienbericht? Die Reihenfolge wird gerade umgekehrt! Ich zitiere aus Seite 1: "Im Vordergrund stehen Führungsfehler des verantwortlichen Regierungsrates, Vertuschungshandlungen durch den damaligen Amtsleiter sowie die Tatsache, dass amtsintern entdeckte, verjährte Fälle nicht gemeldet wurden" (Ende Zitat).
 
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, alleine die Umkehrung der Reihenfolge ist doch ein krasser Unterschied. Um das zu merken muss man nicht Jurist sein, das ist einleuchtend! Dies ist umso gravierender als ein solcher Satz die ganze Wahrnehmung des folgenden Textes prägt!
 
 
Fakt 2
 
Nahezu 80 % de Medienmitteilung ist auf die gemachten Fehler fokussiert und dabei wird vor allem Hanspeter Uster in den Vordergrund gestellt. Beispiele:
– der verantwortliche Regierungsrat forderte den nötigen Bericht nicht an,
– er sprach nicht mit den Mitarbeitenden,
– er hat die Kontrolllisten zuwenig verglichen,
– er hat keine vertrauensärztliche Abklärung gefordert,
– usw. und so fort.
 
Klar sind das keine Falschaussagen, aber einseitige Formulierungen, denn die entlastenden Aspekte werden nur abgeschwächt dargestellt, wenn überhaupt. Oder es wird im Medienbericht nichts, aber rein gar nichts dazu gesagt, dass Uster jeweils handelte, sobald er Kenntnisse von Unregelmässigkeiten hatte. So wird klar Uster zum Hauptakteur der Probleme stilisiert.
 
Fakt 3
 
Ein politisch wesentlicher Teil des Schlussberichtes sind die vorgeschlagenen Massnahmen in Form von Postulaten und Motionen, die an der letzten Sitzung behandelt wurden. Diese waren auch ein wichtiges Ziel der CVP-Motion. Die entsprechenden Massnahmen sind auf drei vollen Seiten im Schlussbericht aufgelistet, ihre Begründungen sind aber auch auf den vielen Seiten im Bericht zu finde, die der politischen Würdigung der einzelnen Probleme gewidmet sind. Sie nehme also einen wichtigen Platz ein.
 
Dieser zentrale Aspekt wird dagegen in der Medienmitteilung lediglich auf ca. 13 mageren Linien abgehandelt – das ist auch eine politische Gewichtung.
 
Nun man könnte sagen: Das ist doch nur die Medienmitteilung! Massgebend ist der 70-seitige Bericht der Kommission und massgebend ist die mündliche Wortwahl an der Medienkonferenz.
 
Diese Aussage verkennt die heutige journalistische Realität. Heute, wenn viele der Meinung sind, dass eine ganze Zeitung in maximal 20 Minuten gelesen sein muss und man sich tagsüber x-mal im Internet die neusten Informationen holen kann, ist auch der Zeitdruck der Medienprofi entsprechend enorm. Dann kann man ihnen nicht verübeln, dass sie sich auf das Kurzfutter der Medienmitteilung stürzen und verarbeiten, sich sogar manchmal damit begnügen müssen, diese noch kürzen. Die Zeit als Journalisten an eine Medienkonferenz gehen und dann einen komplexen Bericht analysieren konnten, ist vorbei. Deshalb ist eine Medienmitteilung zentral für die Wirkung in der Medienlandschaft. Deshalb bin ich erstaunt über das Erstaunen, welches Kollege Martin Pfister an der letzten Sitzung geäussert hat: Die mediale Reaktion war erstaunlich, es interessierte nur das Verschulden von alt Regierungsrat Uster – sagte er. Dabei lässt sich die  Medienoptik geradeaus aus der Medienmitteilung ableiten.
 
Ich masse mich selbstverständlich nicht an, die Qualität der PR-Agentur Nestro insgesamt zu bewerten, ich kenne sie überhaupt nicht. Aber zum Ergebnis der vorliegenden Arbeit erlaube ich mir eine Bewertung. Da kann ich das Original und das Produkt der Agentur vergleichen. Und das Produkt ist in meinen Augen weder sachlich noch professionell. Genauer gesagt, sie ist sachlich nur im Ton, nicht aber im Inhalt – sie ist nicht professionell, genauer gesagt sie ist auf professionelle Art tendenziös. Das hat in meinen Augen aber gar nichts mehr zu tun mit einer journalistischen Zuspitzung eines Themas, das ist eine inhaltlich andere Gewichtung. Und wenn sie von einem Profi kommt, dann ist das kein Zufall mehr – sondern kalkuliert
 
Am 2. Juli hat Kollege Eugen Meienberg kritisiert, dass an der letzten Sitzung der JPK der Sachreferentin und der Sekretärin für die geleistete Arbeit Blumen überreicht wurden und anschliessend, bildlich gesprochen, von der Grünen Alternativen Fraktion der Blumentopf nachgeworfen wurde. Für mich stimmt das Bild nicht. Die Blumen bleiben in meinen Augen für die Kommissionsarbeit ohne Zweifel verdient. Aber für den Medienbericht überreiche ich symbolisch den Verantwortlichen zusätzlich einen Kaktus.
 
Eric Frischknecht, Unabhängig-Grünes Forum Hünenberg / Alternative Grüne Fraktion