Die Stawiko weist darauf hin, dass die tiefen Einkommen bereits heute wenig oder gar keine Steuern bezahlen müssen. Das haben wir im Minderheitsbericht auch nachgewiesen, dass es sogar die Mehrheit der Zuger Steuerzahlenden ist, die von der aktuellen Steuersenkung praktisch nichts haben, weil sie auf diesem Gebiet nicht mehr weiter entlastet werden können. Die Stawiko weist auch darauf hin, dass diese tiefen Einkommen Sozialabzüge vornehmen und von diversen staatlichen Zuschüssen profitieren können.
 
Es ist wahr: Wir versuchen immer wieder, die verheerendsten Folgen der Zuger Tiefsteuerpolitik für die finanzschwächsten Einwohnerinnen und Einwohner abzufedern. Aber es gelingt uns nicht, weil unser Steuerdumping in sich unsozial und inkongruent ist. Der alarmierende Verdrängungsprozess aus unserem Kanton kann nicht gestoppt werden nur durch flankierende Massnahmen, deren Wirksamkeit zusätzlich geschwächt wird auf Grund der politischen Machtverhältnisse.
 
Wir benehmen uns in den Steuerdebatten oft so, als ob es nur den Kanton Zug und nur uns ganz allein gäbe auf dieser Welt. Wir fragen uns nicht, woher unsere reichlichen Steuereinnahmen kommen – und an welchen anderen Orten dieses dringend benötigte Geld fehlt. Wir wollen nicht sehen, was wir mit unserem Steuergebaren schweizweit und gar weltweit anrichten – Hauptsache, uns im winzig kleinen Kanton Zug geht es gut!
 
Zudem finden wir das Signal falsch, das mit dieser Vorlage bereits die nächste Steuersenkungsrunde einläutet. Nachdem aktuell der grosszügig ausgelegte Mittelstand, also Einkommen bis 200’000 Franken entlastet werden, wächst nun der Anspruch, dass beim nächsten Mal auch die ärmeren Reichen stärker von der grossen Last des Steuerzahlens befreit werden. Wir drehen uns also weiter munter in diesem Karussell, in diesem „race to the bottom“, und dagegen treten wir Alternativen kompromisslos an.
 
Im Minderheitsbericht haben wir auch darauf hingewiesen, dass wir statt erneuter Steuersenkungsrunden besser öffentliche Gelder zur Verfügung stellen, damit die Lebenshaltungskosten im Kanton Zug zum Wohle aller hier Wohnenden gesenkt werden können. Auch die Wirkung der Steuersenkung auf die Konjunkturförderung stellen wir in Frage – darauf wird unser Fraktionssprecher noch speziell eingehen.
 
Wir stellen Ihnen deshalb den Antrag, auf die Vorlage 1805.2 nicht einzutreten, ebenso die Motion von Martin B. Lehmann und Barbara Gysel wie das Postulat von Gregor Kupper nicht erheblich zu erklären und sie abzuschreiben.