Kantonsratssitzung vom 07.11.2013

Sehr geehrter Herr Kantonsratspräsident
Sehr geehrte Mitglieder der Regierung
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
 
Die Alternative Grüne Fraktion nimmt mit gemischten Gefühlen Kenntnis von der Antwort des Gesamtregierungsrates.
 Die Antwort lässt sich in etwa so zusammenfassen – analog zum für das friedliche Zusammenleben in der Schweiz ganz zentralen Verfassungsartikel 15 „Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist gewährleistet.“ – postuliert die Regierung als Praxis im Kanton Zug: „das Recht zum Auf- oder Abhängen von Kreuzen und Kruzifixen in öffentlichen Gebäuden und Räumen ist gewährleistet.“
 
Beruhigend ist, dass der Regierungsrat in der Praxis für Zurückhaltung plädiert:
„Die Gestaltung, Grösse und Platzierung von Kreuzen ist angesichts der Glaubens- und Gewissensfreiheit und dem Gebot der religiösen Neutralität situativ zu beurteilen.“ Das heisst für uns: tendenziell eher abhängen als neu aufhängen, vor allem in öffentlichen Räumen und Gebäuden mit Publikumsverkehr.
 
Politisch interessant ist, dass aus den Reihen der SVP bei diesem Thema versucht wird, ihren CVP Sitznachbarinnen und Sitznachbarn hier im Saal, das Weihwasser streitig zu machen.
Womit ich beim Kantonsratsaal bin: Wir von der AGF sehen am ehesten einen Handlungsbedarf in diesem Saal.
In der Antwort des Regierungsrates wird praktisch erläutert, was der Unterschied zwischen einem Kreuz und einem Kruzifix ist. Das Kruzifix ist im Gegensatz zum Kreuz ganz klar konfessionell verortet – das Riesenkruzifix hier geht auf die lange dauernde Dominanz der katholischen Kirche in unserem Kanton zurück. 
Die Zeiten haben sich nun geändert und es ist abzusehen, dass es bald keine Mehrheitsreligion im Kanton Zug geben wird. Von 1970 bis 2010 ist der Anteil der katholischen Wohnbevölkerung von über 80 auf 55 Prozent gesunken und der Trend hält an. Und die Konfessionslosen haben die Zahl der Reformierten bereits überholt, dies nur nebenbei.
 
Der in diesem Saale ausgeübten Tätigkeit – wir vertreten hier als Kantonsrätinnen und Kantonsräte die gesamte Zuger Bevölkerung – ist dieses grosse Kruzifix fehl am Platz. Ein schlichtes Kreuz könnte genügen. Der Regierungsrat schreibt es in seiner Antwort auf Seite 10: „Die Beschränkung des Kruzifixes auf eine bestimmte christliche Konfession verstärkt noch dessen bekenntnismässigen Gehalt.“ Wir machen hier Politik auf der Grundlage der Verfassung und nicht der Religion.
 
 
Hanni Schriber-Neiger,
Kantonsrätin Alternative – die Grünen, Risch Rotkreuz