Die Alternative Fraktion stellt den Antrag auf Nichteintreten auf die Vorlagen
1646.2 und 3.
 
Unsere Gründe dafür sind:
 
Als erstes: Der Nutzen dieses Projektes steht in keinem Verhältnis zu den Nachteilen. Nach den Berechnungen des Verkehrsmodells werden täglich ca. 6’000 Fahrzeuge aus dem Berggebiet die Tangente benützen, weil sie direkt die Autobahn ansteuern wollen. Die Stadt Zug wird jedoch im Kern nicht entlastet, Baar nur marginal. Der Verkehrsstrom auf der Rigistrasse wird im Jahr 2020 gleich hoch sein, egal ob mit oder ohne Tangente. Statt dessen jedoch werden wir die grüne Lunge zwischen Baar und Inwil, zwischen der Zugerstrasse und der Oberallmend Baar unwiderbringlich zerstört haben. Deshalb kam auch der Prüfbericht des Agglo-Programmes des Bundes zur negativen Einschätzung, dass Kosten und Nutzen dieses Projektes in keinem Verhältnis zueinander stehen.
 
Die gleichen Nachteile, die der Prüfbericht aufzählt, sind auch dem Gemeinderat Baar wie dem Stadtrat Zug sehr wohl bewusst. Deshalb haben sich die beiden Exekutiven nur mit grossen Vorbehalten für das Projekt ausgesprochen. So heisst es in der Stellungnahme des Stadtrates Zug vom 17. Februar 2009: „Angesichts der geringen Entlastungswirkung und der unerwünschten Immissionsverlagerungen in bestehende Siedlungsgebiete, aber auch der negativen Zerschneidungs- und Zersiedelungseffekte erzeugt das Projekt einen ungenügenden Nutzen, um die hohen Kosten rechtfertigen zu können.“
 
Der Gemeinderat Baar hatte in der Vernehmlassung vom März 2007 festgehalten: „Bezüglich der Immissionen ist im Zentrumsgebiet von Baar nicht mit einer markanten Verbesserung zu rechnen. Im Süden von Baar mit den Wohngebieten Inwil und Neufeld sowie im Siedlungsgebiet im Hangbereich verschlechtert sich hingegen die Situation. Negativ zu werten ist die erforderliche offene Linienführung in der freien Landschaft und die damit einhergehende Zerschneidung intakter Kulturlandschaften… Mit Blick auf eine umfassende Kosten-/Nutzenabwägung wirft das vollständige Projekt Tangente Neufeld sicherlich gewichtige Fragen auf. Wir beantragen, dass eine Etappierung ernsthaft geprüft wird und deren Auswirkungen im Hinblick auf die politische Diskussion aufgezeigt werden.“
In der Stellungnahme zum Zusatzbericht moniert der Gemeinderat Baar, dass die Kostenangaben zur Etappierung fehlen. Eine Zahl, die allerdings nicht nachvollziehbar ist, wurde uns in der Tiefbaukommission nachgeliefert.
 
Ein weiterer Grund, warum die Alternative Fraktion nicht auf diese Vorlage eintreten will, liegt in der aktuellen ökologischen Situation: Wir müssen dringend beginnen umzudenken! Die Klimaveränderung auf Grund des CO2-Ausstosses beschleunigt sich und stellt eine existentielle Bedrohung dar. Statt diese Realität wahrzunehmen – als wahr anzunehmen! – und adäquat darauf zu reagieren, erweitern wir grosszügig unsere Strassenkapazitäten und versuchen dadurch, unsere wirtschaftlichen und persönlichen Interessen und Privilegien in kurzsichtiger Weise zu verteidigen.
 
Es ist bezeichnend, dass die Regierung in den Modellrechnungen nur die Verkehrszahlen von 2020, also kurz nach der geplanten Fertigstellung der Tangente, präsentiert. Das Verkehrsmodell weiss nämlich etwas, das die meisten von Ihnen, geschätzte Kantonsratskolleginnen und –kollegen, nicht wahrhaben wollen! Das Verkehrsmodell rechnet nämlich dynamisch. Sobald auf einer Strasse eine Verkehrsabnahme entsteht, werden neue Kapazitäten geschaffen. Das bedeutet, dass der Verkehr bald wieder über die entlastete Strasse fahren wird. Das Modell basiert also auch auf der Erkenntnis, dass durch neuen Strassenbau zusätzlicher Verkehr generiert wird. Und 5 Jahre später werden wieder alle Strassen voll sein, genau wie das bisher schon nach den Eröffnungen der Umfahrungen von Cham und Baar geschehen ist.
 
Deshalb trägt das vorliegende Projekt weiter dazu bei, den Verkehr im Kanton Zug zu verstärken statt zu reduzieren. Unser Lebensraum wird weiter eingeengt, unsere Luft noch stärker belastet. Dabei ist den meisten von uns doch bewusst, dass wir für einen langfristigen Erhalt unserer Lebensqualität letztlich genau das Gegenteil brauchen.
 
Auch die aktuelle Situation der Wirtschaft lässt uns dieses Strassenprojekt ablehnen. Die Weltproduktion von Erdöl wird in absehbarer Zeit unwiderruflich zurückgehen, und dies bei wachsender Nachfrage. Ölabhängige Verkehrssysteme müssen so bald wie möglich umgebaut (und nicht noch verstärkt) werden – je schneller damit angefangen wird, desto einfacher wird der Übergang werden.
 
Unter diesen Voraussetzungen ist eine 200 Millionen-Megainvestition in eine neue Strasse, welche die Kapazität für den ölabhängigen und CO2-produzierenden Autoverkehr massiv erhöht, eine kapitale Fehlinvestition. Alle diese Argumente münden bei uns in die Forderung: Übungsabbruch! Und deshalb beantragen wir, auf die Vorlage 1646 nicht einzutreten.