Ich danke dem Bildungsdirektor für diese differenzierte Interpellationsantwort. Er zeigt auf, dass es im Spannungsfeld zwischen individuellen Grundrechte sowie der Einhaltung von Rechten und Pflichten an den obligatorischen Schulen zu Konflikten kommen kann. Die Antwort zeigt auf, dass es jedoch wenige Konflikte gibt und diese in der Regel im Gespräch einvernehmlich gelöst werden können. Dies ist nicht zuletzt den guten Zuger Schulen mit ihren hervorragenden Lehrpersonen zu verdanken. Aufschlussreich ist die Rückmeldung der gemeindlichen Schulen, dass Sonderregelungen nicht primär von Angehörigen muslimischer Religionen, sondern von konservativen christlichen Gemeinschaften oder Freikirchen angestrebt werden. Diese Beobachtung kann auch im Rahmen der aktuellen Diskussion um den Sexualkundeunterricht in den Schulen gemacht werden, wo gerade Christlich-Konservative die Möglichkeit einer Schuldispens fordern.
 
Ich gehe mit der Regierung einig, dass bei jedem Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit die Verhältnismässigkeit geprüft wird, jedoch das die Einhaltung der Schulvorschriften prioritär sind und dass der individuelle Schulerfolg des Kindes garantiert ist. Das Tragen individueller religiöser Symbole der Kinder wie Kreuze oder Kopftuch sowie das Beachten von Essensvorschriften oder das Feiern einzelner wichtiger religiöser Feiertage beeinträchtigt aus Sicht der AGF den geordneten Schulbetrieb nicht. Das sieht auch die Regierung so. Vollumfänglich einverstanden sind wir, dass Turn- und Schwimmunterricht obligatorisch sind und dass es erstrebenswert ist, dass alle Kinder an Klassenlagern teilnehmen.
 
Tatsächlich heikel ist die Frage, inwieweit Lehrpersonen religiöse Symbole tragen dürfen. Wir der Religionsfrieden durch das Tragen christlicher oder muslimischer Kopftücher beeinträchtigt? Was ist mich Kreuz-Halskettchen? Hier wünschte ich mir eine klarere Haltung. Entweder dürfen Symbole aller Religionen getragen werden oder keine. Wichtig ist aber auch hier doch, dass bei der Stoffvermittlung inhaltlich die Neutralität gewahrt wird. Die Schule muss den Verfassungsgrundsatz der Neutralität umsetzen.
 
Eindeutig ist die regierungsrätliche Antwort bezüglich Sinn einer kantonalen Regelung. Eine solche würde gegenüber den Grundsätzen der Schweizer Bundesverfassung keine gültige Rechtgrundlage bilden. Auch Gemeinden können nicht selber willkürlich Regeln erlassen. Zudem haben die Gemeinden klar signalisiert, dass kein Bedarf nach neuen Bestimmungen oder Gesetzen besteht.
 
Abschliessend danke ich auch der CVP für die Einreichung der Interpellation – sie brachte mehr Klarheit und Sachlichkeit in eine heikles Thema, über welches leider nur zu oft sehr einseitig und emotional debattiert wird. Ein fairer, unaufgeregter Umgang mit anderen Religionen unter Beibehaltung der Grundsätze der Verfassung für alle ist einem demokratischen und liberalen Staat würdig und entspricht den traditionellen Werten der Schweiz. Darum steht auch in der Verfassung, dass die Schweiz Demokratie und Freiheit in Offenheit und Toleranz und mit Respekt vor anderen Kulturen antstreben solle.