Es ist wohl kein Geheimnis – Kinder haben nicht nur Mütter, sondern auch Väter. Es braucht beide – nicht nur Biologisch betrachtet. Es wäre ein gesellschaftlicher Gewinn und ein Gewinn für das Kind, wenn sich beide Elternteile um Erziehung, Betreuung, Unterstützung ihrer Kinder bemühen bzw. bemühen können.
 
Darum ist ein angemessener Vaterschaftsurlaub unabhängig von der gelebten Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau im Erwerbs- und Privatleben wichtig. Einerseits würde es ein Vaterschafsurlaub den Vätern von Beginn weg ermöglichen, eine nahe Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Dies wäre eine gute Basis für eine aktive Vaterrolle und gute Vater-Kind-Beziehung in den folgenden Jahren. (Ich spreche von Basis nicht von einer Garantie.) Andererseits wäre ein angemessener Vaterschaftsurlaub ein deutliches Zeichen, dass Familienarbeit durch Väter von der Gesellschaft, vom Arbeitgeber geschätzt wird.
 
Ich habe Familienarbeit gesagt und nicht Urlaub – denn Vaterschafts-Urlaub ist das falsche Wort. Wer Kinder beim Aufwachsen begleitet, weiss, dass dies nicht Urlaub bedeutet, sondern Verantwortung und Arbeit – aber auch Freude und Bestätigung.
 
Der Kanton sollte den Vätern mehr Möglichkeiten zu Verantwortung, Arbeit, Freude und Bestätigung geben. Der Kanton hat gerade als Arbeitgeber die Aufgabe, familiengerechte Rahmenbedingungen zu fördern – unter anderem mit einem angemessenen Vaterschaftsurlaub. Nun – was ist angemessen?
 
Fortschrittliche und wettbewerbsorientierte Schweizer Arbeitgeber gewähren bereits heute Vaterschaftsurlaube bis zu 20 Tagen. Mittelfristig sollte sich der Kanton Zug – aber auch die gesamte Schweiz – aus Sicht der Alternativen an skandinavischen Elternurlaubs-Modellen mit aufteilbaren bezahlten und unbezahlten Urlauben von bis zu einem Jahr orientieren. Das ist machbar – auch wirtschaftlich. Gerade Länder wie Finnland oder Norwegen liegen gemessen an ihrer wirtschaftlichen Attraktivität laut WEF-Studien vor der Schweiz. Gestern konnten sie den Medien entnehmen, dass sogar die CVP und einige SVP-Politiker ein solches Elternurlaubssplitting begrüssen. 16 oder 18 Wochen frei einteilbarer Elternurlaub mit einem Mindestschutz für Mütter von 8 bis 12 Wochen und einem Mindestanteil für Väter von 2 bis 4 Wochen wären aus meiner Sicht ein angemessenes Modell.
 
Doch die Zuger Regierung will nicht mal die bescheidene Motionsforderung nach 5 Tagen für das erste und 10 Tagen Vaterschaftsurlaub bei weiteren Kindern sowie nach einen Anspruch auf unbezahlten Urlaub erfüllen. Ein frischgebackener Vater soll nur 5 Tage Urlaub gewährt werden. Das Mindeste aus Sicht der Alternativen ist die volle Erheblicherklärung der Motion.
 
Nochmals: Ein angemessener Vaterschaftsurlaub ist familienfreundlich, fördert die Beziehung Vater-Kind, entlastet die Mutter und ist ein Zeichen von Wertschätzung von väterlicher Familienarbeit. Aber er verhilft dem Kanton auch dazu, ein fortschrittlicher konkurrenzfähiger und glaubwürdiger Arbeitgeber zu sein. Die Regierung schreibt selbst, dass er die Vereinbarkeit zwischen Erwerbstätigkeit und Familie für Frauen und Männer fördern will. Nun soll er aus Theorie auch Praxis machen
 
Kinder brauchen Väter, nicht nur Erzeuger.