Unser Minderheitsbereicht enthält zwei Botschaften:
1. Wir lehnen das Listenverbindungsverbot ab, weil Listenverbindungen zum Nationalratsproporz gehören und weil wir ein faires Wahlsystem wollen.
2. Wir beantragen die Erheblicherklärung der Motion Pukelsheim der Alternativen und SP-Fraktion, denn dieses neue Zählverfahren garantiert, dass alle abgegebenen Stimmen im Wahlergebnis ihren Niederschlag finden. Es ist einfach, gerecht und entspricht vollumfänglich dem Proporzgedanken. Dieser Antrag bezieht sich natürlich auf die 2. Lesung, wenn es um die Erheblich- oder Nichterheblicherklärung der Motion  geht.
 
Zur ersten Forderung:  Beibehalten der Möglichkeit von Listenverbindungen
 
Sie wissen es alle, auch wenn noch vor den nächsten kantonalen und kommunalen Wahlen 2010 das Listenverbindungsverbot beschlossen wird, am Wahlverfahren für die Nationalratswahlen ändert dies rein gar nichts, dort sind Listenverbindungen, ja sogar Unterlisten weiterhin möglich – und das nehmen Sie wie ich an, alle Parteien werden davon im Jahr 2011 bei den nationalen Wahlen wieder Gebrauch machen. Auch jene hier drinnen, die sich jetzt so vehement gegen Listenverbindungen aussprechen.
 
Was Sie ebenfalls wissen, Listenverbindungen werden bei den kantonalen und kommunalen Wahlen im Kanton Zug nur wenige geschlossen. Es verbinden sich zwei oder mehr Parteien mit gleichen politischen Inhalten. Mehr nicht. Und damit sollen die Wählerinnen und Wähler schon überfordert sein, wie dies die Motionäre suggerieren? Ein Wahlsystem mit Listenverbindungen, wie es praktisch alle Kantone kennen, wird den Zugerinnen und Zugern nicht zugetraut. –  Sie verkaufen dies mit dem Begriff „Wählerfreundlich“  Was in anderen Kantonen gang und gäbe ist, was dort wählerfreundlich ist, soll hier im Kanton Zug nicht möglich sein. Diese Begründung, die praktisch während der ganzen Kommissionsdebatte immer wieder im Vordergrund stand, ist für uns Minderheitsbericht-Verfassende nach wie vor inakzeptabel und unverständlich.
 
Als in der Totalrevision im Jahr 2006 der Nationalratsproporz für alle Wahlen beschlossen wurde, wehrten sich hier drinnen einige Ratsmitglieder; viele wollten den Listenproporz, wie er im Kanton Zug über Jahrzehnte praktiziert wurde und bestimmt immer noch stark verankert ist, beibehalten. Die Mehrheit des Rates aber wollte für alle Wahlen das gleiche System – eben bürgerfreundlich und wählerfreundlich soll es sein, das werden wir auch heute noch öfters hören. Wir unterlagen damals unserem Antrag auf Beibehaltung des Listenproporz. Es war ein demokratischer Entscheid, wir haben ihn nach Abbruch der Unterschriftensammlung für ein Referendum akzeptiert. Wir möchten daher mit unserem Antrag bei der Detailberatung die Beibehaltung des Paragraphen 38, welcher gemäss revidiertem Wahl- und Abstimmungsgesetz im Herbst 2006 hier drinnen ohne irgendwelche Gegenanträge beschlossen wurde. Das neue Wahlgesetz wurde noch nicht angewendet, wir habe noch keinen Erfahrungswert – und schon will man es ändern – auch das ist inakzeptabel und unverständlich.
 
Die Listenverbindungen erhöhen die Chancen der Parteien, vor allem in kleinen Wahlkreisen mit wenig Sitzen. Und davon hat der Kanton Zug nun wahrlich viele. Sie tragen dazu bei, dass Parteien gemäss ihrer Stärke im Parlament vertreten sind, das will das Volk. Was jetzt aber in der zu beratenden Gesetzesvorlage beabsichtigt wird, ist ganz klar die Schwächung von kleineren Parteien. Nur – Wer von Ihnen weiss heute, wer in paar Jahren eine kleine Partei ist? Es gibt keinen sachlichen und keinen objektiven Grund, die Listenverbindungen zu verbieten – und dagegen wehren wir uns. Es ist für uns klar, der Paragraph 38 gehört weiterhin ins WAG.
 

Zur zweiten Forderung: Erheblicherklären der Motion Alternative und SP zum Doppelten Pukelsheim
 
Ich möchte als erstes betonen, dass wir diese Motion nur auf Grund der CVP- und FDP-Motion eingereicht haben, denn nach unserer Meinung sollte das neue Gesetz zuerst angewendet werden, so wie es vom Rat im Herbst 2006  beschlossen wurde.
 
Zur neuen Bundesverfassung vom 18. Dezember 1998 haben bestimmt viele hier drinnen ja gesagt. Artikel 34, Absatz 2 schreibt eine unverfälschte Stimmabgabe vor. Das heisst nichts anderes, als dass die Kantone verpflichtet sind, Wahlen so durchzuführen, dass der Wille der Wählenden sich unverfälscht im Resultat wieder findet. So einfach ist die Anforderung an ein demokratisches Wahlverfahren. Hier in unserem Kanton ist dies keineswegs der Fall. Die vielen kleinen Wahlkreise, die wir haben, führen zu Stimmen ohne Wirkung. Ich bringe halt immer wieder die gleichen Beispiele: Menzingen und Oberägeri haben vier Kantonsrats-Mandate. Damit jemand gewählt wird, braucht es 20,1 Prozent der Stimmen. Das ist viel, da haben es Zuger und Baarer Kandidierende viel einfacher; gut vier oder gut sechs Prozent der Stimmen reichen aus. Die Hürden für eine Partei, einen Sitz zu gewinnen sind ungleich hoch. Das ist höchst ungerecht, denn Parteien sollen gemäss ihrer Stärke auch vertreten sein. Der Kantonsrat soll das Spiegelbild des Kantons sein. Es motiviert Wählerinnen und Wähler bestimmt mehr, an einer Wahl teilzunehmen, wenn sie wissen, dass ihre Stimme eine Chance hat, das Resultat mitzubestimmen, so wie es auch die Bundesverfassung verlangt.
 
Das Bundesgericht hat in den letzten Jahren, das Wahlrecht im Lichte der Bundesverfassung konkretisiert. Dies aufgrund von Beschwerden, beispielsweise aus dem Kanton Aargau oder der Stadt Zürich. Das Bundesgericht interpretierte die Verfassung so, dass kein Wahlergebnis anerkannt werde, welches nicht den freien Willen der Stimmenden zuverlässig und unverfälscht zum Ausdruck bringt. In einigen Kantonen wurde darauf die Zählweise „Doppelter Pukelsheim“ eingeführt. Während der letzten WAG–Debatte im Jahre 2006 trat diese Zählmethode ziemlich neu in die politische Landschaft. Sie wurde von einem deutschen Mathematiker, Dr. Friedrich Pukelsheim aus Augsburg erarbeitet. Richtig heisst diese Zählmethode „doppelt proportionale Divisionsmethode mit Standardumdrehung“. Im Kanton Zürich wurde dieser Begriff kurzerhand in doppelter Pukelsheim umgewandelt – und dieser Begriff ist heute schon in vielen Parlamenten bekannt.
Wir, die Kommissionsminderheit möchten, dass im Wahl- und Abstimmungsgesetz dieses Zählverfahren verankert wird. Der Doppelte Pukelsheim eignet sich für den Kanton Zug sehr. Gemäss unserer Kantonsverfassung ist jede Gemeinde ein eigener Wahlkreis. Mit dem Zählverfahren nach Pukelsheim bleiben diese Wahlkreise weiterhin bestehen. Der entsprechende Verfassungsartikel in der Kantonsverfassung wird nicht in Frage gestellt.  Es sind einfach zwei Rechnungsschritte nötig: die Sitzverteilung erfolgt zuerst auf Grund des Wahlergebnisses der einzelnen Parteien im ganzen Kanton, und werden dann in einem 2. Schritt  auf die einzelnen Gemeinden, gemäss ihrer Grösse und Anzahl Mandate, verteilt.
 
Die Regierung geht in ihrem Bericht und Antrag nur sehr kurz auf unsere Motion ein. Die Nachteile der Pukelsheim-Methode werden schwerer gewichtet als die Vorteile. Ich frage, welches sind denn die Nachteile, werte Regierungsratsmitglieder? Nach so kurzer Zeit solle das Gesetz in Bezug auf den Doppelten Pukelsheim nicht geändert werden; es gebe keine neuen Erkenntnisse, heisst es. Beim Listenverbindungsverbot gibt es diese neuen Erkenntnisse anscheinend auf einmal, obwohl in diesem Kanton noch nie eine Wahl mit Listenverbindungen gemäss dem revidierten Gesetz, durchgeführt wurde.
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit unserer Motion wollen wir, dass hier im Parlament eine gewisse Gleichbehandlung stattfindet. Und wir wollen, dass alle Bürgerinnen und Bürger, die an der Wahl teilnehmen, ernst genommen und gleich behandelt werden. Ich frage mich auch, warum nach wie vor behauptet wird, der Doppelte Pukelsheim eigne sich nicht für den Kanton Zug. Wo sind denn Unterschiede zum Beispiel zum Kanton Schaffhausen, der ebenfalls dieses Zählverfahren ei