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Warum Kinderbetreuungsabzüge wichtig sind

Der Zuger Regierungsrat wehrt sich gegen vom Bund vorgegebene höhere Steuerabzüge für die externe Kinderbetreuung. Das ist kurzsichtig und gerade mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen nicht nachvollziehbar.

Bereits 2015 hat die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) belegt, dass sich steuerliche Entlastungen bei Ehepaaren und Eltern positiv auf deren Beschäftigungsquote auswirken. Die Studie kam zum Schluss, dass sich vor allem die Anhebung der steuerlichen Abzüge für Fremdbetreuungskosten volkswirtschaftlich lohne. Diese Massnahme sei ein effizientes Mittel, um Mütter mit höheren Pensen ins Arbeitsleben zu integrieren und damit auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Weitere Studien kommen zum gleichen Schluss: sie alle zeigen, dass Ganztagesbetreuung die Vollzeitbeschäftigungsquote bei Frauen erheblich erhöht.

Kritiker von höheren Fremdbetreuungs-Kinderabzügen werden nun aber ins Feld führen, dass sich Zug gerade in Zeiten tiefroter Zahlen solche Abzüge nicht leisten könne. Zudem sei die Beschäftigungsquote von Frauen mit Betreuungsaufgaben in der Schweiz im internationalen Vergleich bereits überdurch­schnittlich hoch. Hier gilt es zu kontern, dass die meisten Mütter Teilzeit arbeiten und dies mit einem sehr geringen Pensum. Ein Grund dafür liefert wiederum die ESTV: Es ist die hohe Steuer- und Abgabenbelastung des Zweitverdienstes. Denn die höhere Steuerbelastung fällt aufgrund der Progression an. Es fallen zudem auch höhere Betreuungskosten an, weil mit höherem Einkommen auch die Betreuungstarife steigen. Wenn die effektiven Kinderbetreuungskosten nicht vom Einkommen abgezogen werden können, lohnt sich in gewissen Konstellationen ein Zweitverdienst oftmals nicht. Im schlimmsten Falle hat eine Familie gar mit Lohneinbussen zu rechnen.

Der Bundesrat will dem nun entgegenwirken und hat einen Vorschlag erarbeitet, der diesen Erkenntnissen Rechnung trägt. Die Zuger Regierung möchte sich diesen Erkenntnissen nun wiedersetzen. Auch wenn Sie dies primär dem Verweis auf die Einmischung des Bundes in kantonale Steuer-Hoheiten begründet, ist die Haltung aus meiner Sicht unverständlich und volkswirtschaftlich nicht begründbar.

Ein Steuersystem erscheint mir dann gerecht, wenn Steuerpflichtige nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit besteuert werden. Familien mit Kindern haben zusätzliche Kosten, wenn sie ihre Kinder gegen Bezahlung durch Dritte betreuen lassen. Diese zusätzlichen Kosten verringern das Einkommen und damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Deshalb sollen solche Kosten zu einem guten Teil den Steuern abgezogen werden können. Auch mir ist klar: Über die richtige Form der Kinderbetreuung bestehen unterschiedliche Ansichten. Eltern handeln aus meiner Sicht aber dann verantwortungsbewusst, wenn sie eine Betreuungsform wählen, die den Bedürfnissen der Familie und dem Wohl des Kindes dient. Und diese Wahl sollte das Steuersystem nicht unnötig einschränken.

Zudem verspreche ich mir von einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur eine höhere Beschäftigungsquote, sondern auch eine Belebung des Arbeitsmarktes und die bessere Ausnutzung des Fachkräftepotenzials. Beides dürfte sich positiv auf die Steuereinnahmen auswirken. Ein Vorgehen also, welche schlussendlich auch ganz im Interesse der Steuerzahlerin und des Steuerzahlers läge. Manchmal wäre daher auch in Zeiten von Sparpaketen etwas mehr Weitsicht wünschenswert. Denn es ist ein zu wichtiges Thema für Wirtschaft und Familien, als dass es mit dem Sparpaket-Argument einfach so abgeschoben werden könnte.

 

Andreas Hürlimann, Kantonsrat und Gemeinderat, Steinhausen

2017-08-14T14:26:47+00:00 14.08.2017|Familien, Wohnen, Grüne Steinhausen|