Zuger Ansichten, Neue Zuger Zeitung vom Samstag 12. April 2014

Nirgends verdienen die Menschen mehr als im Kanton Zug, das hat kürzlich eine Auswertung auf Tagesanzeiger.ch ergeben. Der Zuger Finanzdirektor zeigte sich höchst erfreut darüber: Der Reichtum komme allen zugute, meint er. Aber nicht nur das: Nirgends zahlen Reiche so wenig Steuern wie in Zug. Zwar zahlen auch die schlechter verdienenden weniger Steuern, gleichzeitig sind die Einkommen aber auch nirgends so ungleich verteilt wie im Kanton Zug. Und setzt man den Kanton Zug in einen gesamtschweizerischen Zusammenhang, dann erkennt man riesige Unterschiede zwischen den Kantonen und Regionen. Kann das gut sein für den Zusammenhalt der geografisch gesehen kleinen Schweiz? Ich meine klar: Nein! Wichtig für die Überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist, was am Schluss übrig bleibt. Und hier sieht die Rangfolge ganz anders aus!  
 
Ein zentrales Kriterium dies zu messen, ist das frei verfügbare Einkommen. Es ist auch ein Indikator für die finanzielle Wohnattraktivität einer Region. Das frei verfügbare Einkommen zeigt jenen Betrag, der einem Haushalt nach Abzug sämtlicher Steuern sowie Fix- und Pendelkosten vom Bruttoeinkommen zur Verfügung steht. Im Vergleich der Kantone belegt Zug hier den abgeschlagenen 19. Rang. Von unseren Nachbarkantonen verfügt einzig der Kanton Zürich über eine niedrigere finanzielle Wohnattraktivität. Für Mittelstandshaushalte kann sich deshalb ein Umzug in die Kantone Aargau, Luzern oder Schwyz lohnen. So das Fazit einer Studie der Credit Suisse welche im Januar publiziert wurde. Hat der Finanzdirektor daran auch Freude? Ich nicht und auch die Grünen im Kanton Zug sind darüber ganz und gar nicht erfreut. Zug hat das höchste Bevölkerungswachstum der deutschsprachigen Schweiz. Und dennoch ist die Verdrängung einer immer grösseren Bevölkerungsschicht ein Problem. Dies hat einen simplen ökonomischen Grund: Ein Produkt oder in unserem Fall ein Standort hat einen Preis. Dieser wiederspiegelt in den meisten Fällen die Vorzüge dieses Standorts. Eine hohe Attraktivität führt daher zu einer höheren Nachfrage. In unserem Fall einer Nachfrage nach (oftmals grosszügigem und luxuriösem) Wohnraum, was sich schlussendlich in höheren Immobilien- und Bodenpreisen, aber auch in höheren Lebenskosten im Allgemeinen zeigt. Im Kanton Zug ist zudem die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen einer der „Motoren“ der sozialen Verdrängung. Familien und Personen welche sich diese Umwandlungen nicht leisten können (Normal- und Wenigverdienende) müssen unseren Kanton deswegen oftmals verlassen.
 
Aufgrund dieser Entwicklungen besteht die Gefahr, dass unser Kanton nur noch für reichere Leute und für Familien aus der oberen Mittelschicht und aufwärts eine Heimat wird oder bleiben kann. Dabei ist gerade die soziale Durchmischung eine Stärke einer Gesellschaft. Es gilt, die Bevölkerung zu durchmischen und zu verhindern, dass sich Gemeinschaften aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer sozioökonomischen Stellung abkapseln. Zug soll nicht zu einem weiteren Monaco werden, haben wir Alternative und Grüne bereits vor Jahren postuliert. Andere Parteien sind auf den Themenzug aufgesprungen. Allerdings wollen nicht alle das Wachstums-Problem der hohen Lebens- und Wohnkosten und der damit einhergehenden sozialen Verdrängung wirklich angehen und lösen. Denn dies würde teilweise eine starke Korrektur des bereits eingeschlagenen politischen Kurses in Zug bedeuten. Eine Korrektur die aber dringend nötig wäre, damit alle vom Reichtum Zugs profitieren können.  
 
 
Andreas Hürlimann, Kantonsrat, Grüne Steinhausen