Am besten nicht darüber schreiben. Sie wissen worüber, nicht? So zäume ich das Pferd von hinten auf. In den 80-er Jahren hat sich die polnische Arbeitergewerkschaft Solidarnosc das Recht auf freie Meinungsäusserung und das Streikrecht erkämpft. Der langjährige Einsatz war wichtiger Vorbote und Motor zur ‚Wende‘. Nun hat Mauerfall und Wiedervereinigung auch den Weg frei gemacht sich überallhin zu wenden. Es gibt Gewinner und Verliererinnen aus diesem historischen Umbruch. Ständiges Wirtschaftswachstum und globaler Freihandel sind ebenso Extreme wie Stillstand und Grenzschliessungen.

Solidarität war in den 80-er Jahren eine politische Haltung bei meinem Eintritt in die Politik. Heute freue ich mich, dass diesem Wert der Touch des belächelten Gutmenschentums abgenommen wurde und eine Art gesellschaftliche Abmachung, sowas wie Normalität zugedacht wird. Wir haben ein neues Wir-Gefühl für Quartier, Dorf, Stadt, Kanton, Land? Das solidarische Wir ist Vernetzung, Halt, es bedingt Zugehörigkeit und Ausschluss. Es täuscht nicht darüber hinweg, dass die gleichen Menschen durchs Netz fallen, wie vor der Pandemie.

Auf meinem politischen Weg folgten Leitideen wie ‚global denken, lokal handeln‘. Noch immer gültig, und weil Denken und Handeln einhergehen und auch keine geografische Trennung bedingen, bleibt der Leitsatz in allen Umkehrungen ebenfalls gültig. Wie wäre es mit zivilen Fluggesellschaften über Ländergrenzen hinaus, statt nur Tochter zu sein und in allen einzelnen Ländern Geld in den Wettbewerb serbelnder Fluggesellschaften zu stecken? Der Horizont war grad weit und blau, verlockend darüber hinaus zu denken. Wer will zu den früheren Flugzahlen zurück? Das Beispiel lässt sich auch mit Kampfjets durchdenken. Und weiteres politisches Handeln, solidarisch mit Menschen, die für uns arbeiten, schlecht entlöhnt oder ännet dä Grenzä; Pflegeinitiative, Konzernverantwortungsinitiative. Jetzt habe ich darüber geschrieben. Behüten Sie das Gefühl von Solidarität, damit es nicht zu schnell verfliegt. Gelebt bleibt es lebendig.

Marianne Aepli. Präsidentin Alternative die Grünen Menzingen