Antrag:
• Die 2. Lesung des Kantonsratsbeschlusses betreffend Objektkredit für das Projekt Städtlerwald, Gemeinde Cham (Vorlage Nr. 1915.5) ist von der heutigen Traktandenliste bis auf Weiteres abzusetzen.
• Die Regierung wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, in dem sie ein Projekt mit gleicher Planungstiefe, mit gleicher Zielsetzung und gleichen Kosten als Variante unterbreitet. Diese Variante soll das ganze Gebiet zwischen Zugersee und der Autobahn rund um Cham herum bzw. Ennetsee für kleinere und grössere Wildtiere wirkungsvoll vernetzen.
• Die zweite Lesung für das jetzt vorliegende Projekt ist erst dann vorzunehmen, wenn der Bericht mit der Variante gemäss Ziff. 2 vorliegt. Die Variante gemäss Ziff. 2 ist vorher sowohl der Kommission für Tiefbauten wie auch der Staatswirtschaftskommission zur Vorberatung zu unterbreiten.
 
Begründung:
Das Projekt Brücke Städtlerwald gibt vor, die Vernetzung der Lebensräume für die Wildtiere zu verbessern. Wenn dies mit den 7,2 Mio. Franken kantonalen Steuergeldern wirklich erreicht würde, dann könnte die Alternative Grüne Fraktion voll dahinter stehen. Die Vernetzung von Lebensraum basiert auf der Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung grossräumiger funktionaler Beziehungen für grosse Tiere, sprich solche, die einen grossen Aktionsradius haben. Käfer (von denen praktisch alle Arten fliegen können, selbst die 6 cm grossen Hirschkäfer in Walchwil) und Schmetterlinge brauchen keine Vernetzungsbrücke Jene Arten, die eine Wildbrücke bräuchten, gehen beim Projekt Städtlerwald weitgehend leer aus.
 
Die Alternative Grüne Fraktion setzt sich für tatsächliche und effektive grüne Anliegen ein und will den eigentlichen Richtplanauftrag gemäss L6 (S. 27/28) wirkungsvoll umgesetzt haben. Aus dem Richtplan ist leicht ersichtlich, dass der gesamte Ennetseeraum eingeklammert ist von der Autobahn und zwischen See und Autobahn kurz- bis mittelfristig ein völlig isolierter Lebensraum entsteht. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Urbanraum ohne ökologisches Potenzial. Im Gegenteil. Neben den Siedlungsgebieten und Infrastrukturen hat es bedeutende und grossflächige Naturschutzgebiete, Landschaftsschongebiete und BLN-Gebiete. Entgegen allen Beteuerungen wertet aber die Städtlerwaldbrücke weder den umklammerten Raum in sich auf noch wird die Vernetzung verbessert. Der Richtplanauftrag, nämlich die Lebensrauminsel Ennetsee mit dem Umland (nördlich resp. westlich der Autobahn) zu vernetzen, wird nicht erfüllt.
Die Städtlerwald-Brücke dient genau jenen Tierarten nicht, für welche die Lebensraumvernetzung überlebenswichtig wäre und für welche die Richtplanbeschlüsse gemacht wurden. Der Richtplan sagt demgegenüber mit Festsetzungen aus, wo der isolierte Ennetseelebensraum mit dem Umland besser vernetzt werden müsste: unter der Lorzentalbrücke hindurch, über die Autobahn im Gebiet Hünenberg, beim Langholz über die Kantonsstrasse und bei Alznach über die Eisenbahn hinweg.
 
Mit der Verbreiterung der Städtlerwaldbrücke von 6m auf 18m und trotz hoher Investitionskosten kann nicht verhindert werden, dass der für die Lebensqualität und die Ökologie wertvolle Ennetseeraum in ein paar Jahren bloss noch Kulisse ist und für kleinere und grössere Wildtiere keinen funktionsfähigen Lebensraum mehr darstellt.
Im Gegensatz dazu wäre ein Vernetzungs-Projekt gemäss unserem Antrag eine Massnahme, die den Namen Lebensraum-Vernetzung verdienen würde und die investierten Steuergelder rechtfertigen könnte.