Votum von Kantonsrätin Hanni Schriber-Neiger zur Interpellation betreffend non-monetären Zeittauschmodellen in der Altersbetreuung im Kanton Zug (KISS-Modell)

Kann Altersbetreuung mit Zeitgutschriften in Form von Freiwilligenarbeit ein Lösungsansatz sein? Wir glauben ja, denn auch Freiwilligenarbeit hat einen Wert und schafft zudem das unbezahlbare Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Alternative Grüne Fraktion sieht mit dem Zeittausch-Modell KISS einen zusätzlichen Weg für die Altersbetreuung und eine Chance für die Zukunft – auch wegen der Herausforderung der demografischen Veränderung. 
 
Das KISS-Modell will nebst den drei „normalen“ Vorsorgesäulen faktisch eine 4. Säule aufbauen – eine geldfreie Zeitvorsorge. Wer eine Stunde in Freiwilligenarbeit geleistet hat, egal welche Art von Arbeit, erhält eine Gutschrift auf ein Zeitkonto und kann diese Stunde später wieder geltend machen. Da das KISS-Modell genau zwischen Betreuung/ Unterstützung und Pflege abgrenzt, ist dies aus unserer Sicht auch keine Konkurrenz zur „normalen“ Freiwilligenarbeit – werden doch die Benevol-Grundlagen beachtet. Mit einer zu gründenden Genossenschaft können Strukturen und auch Kontinuität geschaffen werden. Sie soll sich nach den örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnissen ausrichten. Die AGF kann sich gut vorstellen, dass der Kanton dazu ein Startkapital einschiesst.
 
Wir denken, dass das KISS-Modell eine mögliche Option sein kann, wenn sich eine Person im AHV-Alter Gedanken macht wie: „Wer schaut zu mir, wenn ich etwas brauche?  Was sind meine Bedürfnisse? Habe ich Kontakte, auch wenn ich alleine lebe? Kann ich Freiwilligen-Hilfe annehmen?“ 
 
Sicher ist das KISS-Modell nicht für alle älteren Menschen gedacht. Es ist vielmehr eine Herzensangelegenheit sich in eine Zeittausch-Börse einzugeben. Man muss selber herausfinden welche Wertschätzung und Anerkennung man vom Nutzniessenden oder von der Öffentlichkeit haben möchte. – Wem aber dieses Zeittausch-Modell nicht behagt und das nötige Geld hat, wird sich die Hilfe einkaufen oder einkaufen müssen.
 
Auch auf der Geber-Seite entsteht ein Zugewinn. Unternehmungslustige Rentnerinnen und Rentner werden motiviert ihre Fähigkeiten und zeitlichen Ressourcen in die Gesellschaft einzubringen. (KISS ist ein Gewinn auf der ganzen Linie.)
 
 
Hanni Schriber-Neiger, 
Kantonsrätin Alternative – die Grünen, Risch