Die Schweizerische Nationalbank spricht von der aktuellen Finanzkrise als „erste grosse Krise für die globalisierte Finanzwelt“. Der Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen, Beat Bernet, pflichtet dem bei und fügt an: „Ich befürchte, wir stehen erst ziemlich am Anfang.“
Einen besonders erschütternden Kommentar zur sich ständig steigernden Krise an den Finanzmärkten äusserte der Franzose Jérome Kerviel. Er kam ins Blickfeld der Öffentlichkeit, als bekannt wurde dass Sociéte Générale einen satten Verlust von 4.9 Milliarden Euro bekanntgeben musste. Zur Staatsanwaltschaft meinte Kerviel: „Man verliert das Gefühl für Summen, wenn man in diesem Beruf arbeitet. Man lässt sich ein bisschen davontragen.“ Seit Monaten lösen sich Milliarden (es sind tatsächlich Milliarden, nicht „nur“ Millionen) in Nichts auf und es scheint als wären alle Teile des Geldbusiness darin verstrickt. Die traurige und teure Wahrheit ist: Die gesamte Finanzwelt hat offenbar in den vergangenen Jahren das Gefühl für Summen verloren.
Das ganze Geldbusiness nimmt in einer Marktwirtschaft eine besondere Rolle ein. Denn wird das Bankensystem erschüttert, dann trifft es alle. Die Geschichte zeigt sogar, dass eine schwere Erschütterung des Bankensystems auch politische Gefüge zum Einsturz bringen kann, wie 1929 und die Folgen bewiesen haben. Die Geschichte zeigt aber auch, dass wir unser Wirtschaftssystem durch Krisen und Verwerfungen auch immer wieder weiterentwickelt und korrigiert haben. Dies müsste auch heute wieder der Fall sein!
Leider scheint es so, als wäre der Markt nicht in der Lage hier selbstregulierend zu wirken. Er hat versagt. Was einem den Glauben an die Banker noch vollends raubt ist der Umstand, dass diese Gentlemen nonchalant alle Grundregeln des Bankengeschäfts ausser Kraft gesetzt haben. Denn bereits jeder KV-Lehrling weiss, dass hohe Renditen nur mit einem hohen Risiko zu erzielen sind. Doch keiner aus dem Gewerbe schrie auf und ermahnte die Verantwortlichen daran. Zu gross war die Gier nach immer fetteren Boni am Jahresende. Und diese Erfolgszulagen werden grösstenteils am kurzfristigen Erfolg ausgerichtet.
So sind die Zeichen welche zum Beispiel die UBS an uns aussendet verehrend. Dank der UBS-Abgeltungsmaschinerie bekommen die Herren Wuffli, Jenkins und Standish Millionen als Erfolgsbeteiligung hinterhergeworfen. Die Mitverantwortlichen des UBS-Schlamassels, jene Top-Führungskräfte welche 2007 Knall auf Fall das Unternehmen verlassen mussten, wird der Abgang also nochmals vergoldet. Dass die Bank weiterhin behauptet, sie bezahle grundsätzlich keine Abgangsentschädigungen und sehe keinen Grund am Boni-System etwas zu ändern zeigt, die Banken sind nicht in der Lage selbst auf diese Krise zu reagieren.
Wir als Zuschauer stehen verdattert da und fragen uns, was an den Finanzmärkten noch alles passieren muss, damit diese Leute endlich Vernunft annehmen?
Neben den aktuellen Rettungsarbeiten, die vor allem die Notenbanken beschäftigen, müssen wir uns aber auch überlegen, was sonst noch zu ändern ist. So schwer es einem liberalen denkendem Menschen auch fällt – das Fazit kann nur lauten: Mehr Regulierung. Die Geldhändler müssen in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt werden.
Etwas mehr Denken in Bereich der Nachhaltigkeit, das wäre eine ganz ungewöhnliche Innovation für die Bankenchefs und ihre Mitarbeiter. Ich hoffe das schärft auch etwas das Bewusstsein für grosse Summen.