Der Regierungsrat wird eingeladen, ein Massnahmenpaket zur besseren Nutzung des bestehenden Wohnraumes zu erarbeiten. Hierbei sollen steuerliche Fehlanreize (Unternutzungsabzug) beseitigt werden und weitere Massnahmen ergriffen werden, beispielsweise eine Tauschplattform für Wohnungen.

Bezahlbarer Wohnraum ist im Kanton Zug knapp. Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen, junge Menschen, Alleinerziehende sowie ältere Personen mit bescheidenen Renten finden kaum geeignete Wohnungen zu tragbaren Preisen. Gleichzeitig verfügen viele Haushalte über deutlich mehr Wohnfläche pro Kopf, als sie tatsächlich benötigen häufig als Folge veränderter Lebensumstände. Daraus ergibt sich eine strukturelle Unausgewogenheit in der Wohnraumnutzung, die durch steuerliche Regelungen noch verstärkt wird. Der sogenannte Unternutzungsabzug erlaubt es Eigentümer*innen, für nicht genutzte Zimmer eine Reduktion des steuerlich erfassten Eigenmietwerts zu beantragen. Wer also übermässig viel Raum beansprucht, wird steuerlich entlastet – statt zum Umdenken oder zur effizienteren Nutzung motiviert. Die geltende Regelung schafft Anreize, Wohnraum zu blockieren, anstatt ihn zu teilen oder freizugeben – obwohl dieser dringend gebraucht wird. Während einige Haushalte steuerlich privilegiert viel Raum bewohnen, suchen andere verzweifelt eine bezahlbare Bleibe. Das steht im Widerspruch zu den wohnpolitischen Zielen des Kantons sowie zur gesellschaftlichen Realität, in der Wohnraum ein zunehmend knappes Gut ist.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es neben einer Überprüfung steuerlicher Anreize auch neue, unterstützende Instrumente. Eine öffentlich koordinierte Tauschplattform für Wohnungen kann hier eine wirkungsvolle Ergänzung sein: Sie soll Menschen in über grossen Wohnungen mit jenen zusammenbringen, die mehr Platz benötigen – etwa durch Familienzuwachs, veränderte Lebenssituationen oder den Bedarf an altersgerechtem Wohnen. Solche Plattformen können helfen, Hemmnisse beim Wohnungswechsel abzubauen, Transparenz zu schaffen und passende Lösungen einfacher zugänglich zu machen. Eine bessere Nutzung des bestehenden Wohnraums bedeutet nicht nur eine effizientere Wohnpolitik, sondern auch mehr soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung für den Kanton Zug. Es ist an der Zeit, solidarische, zukunftsgerichtete Lösungen zu ermöglichen.